ST I, Quaestio 13 (HL)

Um die Ecke gedacht

Heinrich Leitner (HL) ad primae partis quaestionem XIII

De nominibus Dei. – Über die Namen Gottes.
Editio Leonina (Q. 3-14)
Lateinisch – Englisch
Lateinisch – Deutsch

JHWH

„Kennen Sie den? Schon mal gehört?“ –
„Wen? Den… ähm? Irgendwas Indisches? –
„Ach was, nee!“ –
„Irgend ne Abkürzung…? Nee, nie gehört.“ –
„Aber das ist doch Gott.“ –
„Ach so, ja. Bei uns heißt der aber anders.“

flatus vocis – Schall und Rauch

Wenn wir wissen, dass jemand Thomas heißt, dann wissen wir noch nichts – außer seinen Namen und das ist wahrlich nicht viel. Der Name sagt nicht „was“ er ist, nichts über sein Wesen, sondern nur, dass dieser hier, Thomas genannt, von jenem Martin dort verschieden ist. Von Namen wie „Thomas“ und „Martin“ sprechen wir umsprangssprachlich zwar meist mit Blick auf Individuen und erwarten, dass von Personen die Rede ist. Aber natürlich könnten wir damit auch einen Hund und einen Fisch, einen Stier und einen Esel meinen. Die Namen sagen uns das nicht, sie bezeichnen nur etwas, über das dann Aussagen getroffen werden können: sie geben uns etwas, das noch als etwas bestimmt werden muss. Thomas und Martin sind Menschen, die sich von anderen „Dingen“, Tieren z.B. oder Steinen, unterscheiden. Sie sind Menschen besagt auch, sie sind einer wie der andere „animal rationale“ oder sie sind gar nicht! Als Menschen zeichnen sie sich wiederum durch unterschiedliche Eigenschaften und Lebensgeschichten aus. Während Thomas ein kluger Dominikaner ist, gehört der vom Blitz getroffene Martin dem Augustinerorden an. Es hätte mit beiden ganz anders kommen können. Wäre dem einen nicht Aristoteles „begegnet“, es hätte wohl keine Summa gegeben. Hätte den anderen nicht der Blitz und Katharina von Bora getroffen, er wäre jedenfalls nicht Vater von sechs ehelichen Kinder geworden. Wir würden von ihnen andere Geschichten erzählen, es wären aber immer noch ihre, die dieses Thomas aus Latium und dieses Martins aus Eisleben. Was wir von ihnen wissen, was ihnen wesentlich und was ihnen akzidentiell zukommt, wissen wir nicht durch ihre Namen. Thomas gibt es ja viele und keiner ist wie dieser, über den wir – im Unterschied zu Martin – gerne mehr wissen möchten.

nomen est omen

Und doch beschließt Thomas den Traktat über „Gottes Dasein und Wesen“ (quae ad divinam substantiam pertinet, ST I, q 14, pr) mit der Frage nach den Namen Gottes. Er tut dies mit dem Hinweis auf eine Abhängigkeit von Namen und Erkenntnis: „jedes Ding wird von uns insoweit mit Namen genannt, als wir es erkennen“ (unumquodque [enim] nominantur a nobis secundum quod ipsum congnoscimus)(ST I, 13, pr) Thomas knüpft mit einem Dreischritt von Name, Vorstellung und Sache an Aristoteles an: Namen oder vielleicht besser Wörter sind Zeichen für Verstandesvorstellungen (englisch „ideas“), nämlich Vorstellungen von den (in Rede stehenden) Sachen (voces sunt signa intellectum, et intellectus sunt rerum similitudines) (ST I, q 13, 1 c). Der sprachliche Ausdruck „Mensch“ wird z.B. (univok) den durch die Namen „Thomas“ und „Martin“ benannten „Sachen“ (über genau eine vermittelnde Vorstellung des Menschen als animal rationale) zugeordnet. Die Unterscheidung von sprachlichem Zeichen und Vorstellung erlaubt es, ein sprachliches Zeichen unterschiedlichen Vorstellungen und unterschiedliche Zeichen einer Vorstellung zuzuordnen. „Tau“ kann (aequivok) so unterschiedliche Vorstellungen „meinen“ wie ein Seil oder den morgentlichen Niederschlag, während die Vorstellung eines bestimmten Obstes (synonym) durch unterschiedliche sprachliche Zeichen, z.B. „Apfelsine“ oder „Orange“, ausgedrückt werden kann. Die sprachlichen Ausdrücke (Namen) „Thomas von Aquin“, „Thomas Aquinas“, „Tommaso d’Aquino“ oder schlicht „der Aquinate“ bezeichnen nicht vier, sondern diesen einen Menschen, der als Autor der Summa Theologica 1225 auf Schloss Roccasecca geboren und in Fossanova 1274 gestorben ist.
So weit, so gut. Begnügen wir uns einstweilen, eineinhalb Augen zudrückend, mit der selbstbewußt summierenden Feststellung bei Thomas, über die sich wohl mehr als ein Blogbeitrag schreiben ließe – da müsste wirklich CDH mal ran (!): „Die Worte dienen zum Ausdruck für die Dinge, und zwar auf dem Wege über die Begriffe. Soweit wir also etwas begrifflich zu erfassen vermögen, können wir es benennen.“ (sic patet quod voces referentur ad res significandas, mediante conceptione intellectus. Secundem igitur quod aliquid a nobis intellectu congnosci potest, sic a nobis potest nominari) (ST I, q 13, 1 c) Wir erkennen Dinge, und geben ihnen via Erkenntnis(!), Namen bzw. sprachliche Zeichen.

Offenbar hat Thomas ein anderes, viel weiteres Verständnis von dem, was „Namen“ sind, als wir Modernen. Er spricht von Namen und Wörter nahezu synonym. Dabei kennt er sehr wohl den Unterschied von Eigenname und Begriff (STI, I, q 13, 1, obj 2; ST I, q 13, 9, ad 2), gut aristotelisch dem Subjekt, von dem etwas ausgesagt wird, und dem Prädikat, das von etwas ausgesagt wird. Von diesem Unterschied sieht er zunächst ab. Name bzw. Wort ist das sprachliche Zeichen für entweder die „Erkenntnis“ eines Einzelgegenstands oder eines Begriffs, der dann als Prädikat wiederum von einer Sache oder einer Gruppe von Sachen ausgesagt werden kann. Wir können unserem Auto, das uns so lange gute Dienste geleistet hat, einen Eigennamen geben („Tobi“), aber auch der Baureihe („Opel Corsa“). Die Namen oder die Wörter „Corsa“ bzw. „Tobi“ gibt dann einmal Antwort auf die Frage

  • nach einem konkreten Wagen: „Ist der Wagen, der hier auf dem Anwohnerparkplatz steht, Ihrer?“ – „Oh ja, Jojo hat den Tobi nur mal kurz hier abgestellt.“
  • oder nach einem Modelltyp: „Oh, das ist aber schon ein älteres Modell von Opel, oder?“ – „Ja. Das ist ein Corsa, einer aus der ersten Baureihe. Nicht so schick wie die Neuen, aber viel besser!“

Die Frage nach dem oder den Namen Gottes ist also die Frage nach dem sprachlichen Ausdruck dessen, was wir von Gott wissen können. Was also können wir von Gott sagen, wie von ihm reden?

Um die Ecke denken

Was wir von Gott wissen können, war Gegenstand der ersten 12 Quaestiones. Die selige Wesenschau Gottes dürfen wir in diesem Leben nicht erwarten. Gott ist freilich in höchstem Maße erkennbar und die Tür zu seiner Erkenntnis wurde für uns aufgestoßen: wir erkennen ihn aus seiner Schöpfung, indem wir die Vollkommenheiten steigern und jede Unvollkommenheit entfernen, die unserem Erkennen eigen ist (per modum exellentiae et remotionis)(ST I, q 13, 1).

Hier müssen wir mindestens einmal um die Ecke denken:
Vom Geschaffenen können wir auf den Schöpfer schließen. OK. Sehr gut. Los geht’s.
Wir erkennen ihn nicht wie er „an und für sich“ oder durch sich selbst ist, sondern wie er sich in seiner Schöpfung zeigt. Keine Wesensschau, aber Erkenntnis. Alles bestens.
Also können wir aus den Eigenschaften, nein dem Wesen (!) des Geschaffenen, ihren Vollkommenheiten, schließen auf

  • seine Eigenschaften?… ähm, nee, er hat keine – wieder mal Quaestio 3!
  • auf sein Wesen?… ähm, nee, das geht nicht wegen der Unangemessenheit unserer Erkenntnisform – und natürlich Quaestio 3.
  • auf seine Vollkommenheiten, richtig, die in ihm alle „irgendwie“, nämlich auf vollkommenere Weise als eine einfache Einheit enthalten und von ihm „abgeleitet“ sind!

Wir können Gott von Seiten der Geschöpfe bezeichnen und über ihn „wesentliches“ sagen. Die „Namen“, die wir Gott zuschreiben, „bezeichnen zwar das Wesen Gottes und wir sagen sie von Gott wesentlich aus, aber sie geben nicht sein ganzes Wesen wieder“ (nomina significant substantiam devinam, et praedicantur de Deo substantialiter, sed deficunt a repraesentatatione ipsius)(ST I, q 13, 2 c)!

Unsere Erkenntnis ist unserer Natur gemäß auf Geschöpfliches gerichtet. Wir erkennen es als zusammengesetzt aus Form und Materie. „Etwas, dieser Thomas nämlich, ist ein Mensch.“ Der „Name“ „Mensch“, der den Begriff des Menschsein ausdrückt, wird von etwas ausgesagt, das mit dem Namen „Thomas“ bezeichnet wird. Menschsein ist für (den Gegenstand) Thomas essentiell. Wir haben damit zwar nicht vollumfänglich beschrieben, wer dieser Thomas ist, wir wissen aber was Thomas ist, nämlich ein Mensch. Menschsein beschreibt sein Wesen, wodurch Thomas das ist, was er ist. Ohne Menschsein wäre Thomas nicht Thomas, er wäre gar nicht. Alles, was wir in dieser Weise Gott als „Namen“ zuschreiben wird ihm nicht gerecht. Es gibt kein „Wodurch“ seines Seins und kein von seinem Sein getrenntes, durch die Form definiertes Wesen. Die Form ist als etwas Allgemeines. Thomas ist ein Mensch, einer von vielen. Menschsein und Thomassein sind nicht dasselbe. Das Menschsein erschöpft sich nicht in Thomas – auch Martin und Katharina sind Menschen. Während Thomas ein „in sich abgeschlossenes und für sich bestehendes Seiendes“ ist (aliquid completum subsistens)(ST I, q 13, 1, ad 2), ist das Menschsein etwas Allgemeines, das vielem zugesprochen werden kann. Menschsein ist als Prädikat Prädikat eines Subjekt. Eigenschaften, essentiell oder nicht, sind immer Eigenschaften von etwas. Keine Eigenschaft ohne Substanz, dessen Eigenschaft sie ist. Menschsein gibt es nicht ohne Träger. Auch so kann von Gott nicht gesprochen werden. Er ist schlechterdings einfach und ununterschieden (Quaestio 3 – wir können es einfach nicht genug hören). Ihm kann nichts Allgemeines zugesprochen werden, für das er ein „besonderer“ Träger (neben anderen) wäre.

Damit ist klar, dass die Funktion des „Namen“ in der Rede über Geschöpf und Schöpfer eine andere ist. Der „Name“ dient nicht zur Bestimmung des Wesens bzw. der Zuschreibung von Eigenschaften wie sie die Form der Prädikation „X ist P“ nahelegt. Der „Name“ bedeutet etwas anderes. Wenn wir sagen, dass Gott gut oder weise sei, dann bedeuten die „Namen“ „gut“ und „weise“ nicht dasselbe als wenn wir sie auf Thomas beziehen. Die „Namen“ kommen den in Rede stehenden „Gegenständen“ „irgendwie“ anders zu. (Statt von „Gegenständen“ wäre es wohl besser von „subiecta“ zu sprechen wie Thomas das auch in ST I, q 1, 7 contra getan hat: dort spricht er vom subiectum scientiae als dem, worüber in der Wissenschaft gesprochen wird (de quo est sermo in scientia). Gott und Thomas wären in diesem Sinne subiecta der Prädikation.) Wir können dabei einen Unterschied geltend machen, den wir bei der Einführung der Namen als sprachlichen Zeichen hervorgehoben hatten. Die Namen/Wörter („gut“ und „weise“) wären bedeutungsgleich (univok), wenn sie sich bei Gott bei Thomas auf dieselbe Vorstellung bezögen. Das ist aber nicht der Fall, wir wissen nicht was die Weisheit und Güte Gottes ausmacht. Wir wissen nur, dass sie vollkommener und ihre Bedeutung z.B. nicht getrennt voneinander und von anderen Vollkommenheiten (der Lebendigkeit, dem Sein, der Allmächtigkeit) zu denken wäre. Sie können aber auch nicht nur wortgleich (aequivok) sein (wie bei „Tau“ oder „Bank“): wir schließen ja von den Formen der Geschöpfe auf den Schöpfer. Ihre Bedeutung muss analog zu diesem Verhältnis von Schöpfung und Schöpfer verstanden werden.

Im Haus der Sprache

Thomas gibt selbst ein Beispiel für solch eine analoge Verwendung von „Namen“. Wir bezeichnen einen Menschen als gesund, aber auch sein Herz und sein Blut, die Medizin oder einen Waldspaziergang. Dabei verwenden wir den „Namen“ „gesund“ weder bedeutungsgleich, noch einfach nur aequivok: „gesund“ bezeichnet einmal den körperlichen Zustand, dann aber auch Bedingungen dafür (Herz und Blut) oder Mittel ihn zu erhalten oder wieder herzustellen. Der Waldspaziergang steht tatsächlich in einem Verhältnis zur Gesundheit – auch wenn es nicht jeder fußfaule Bücherwurm wahrhaben will. Er hat diese Eigenschaft freilich nur mit Blick auf die leiblich-seelische Konstitution des Menschen, also im Hinblick auf den Menschen. Ein anderes, naheliegendes Beispiel ist „Einsicht“ oder „Wesensschau“: „Sehen“ wir wirklich den „Satz vom ausgeschlossenen Dritten“ oder unser Fehlverhalten am letzten Geburtstag ein? Die „Sache“ „scheint“ uns nur so „klar“ als läge sie uns vor Augen, was sie aber nicht tut!

In diesem analogen Sinne können wir „Gutsein“ Gott und Thomas zusprechen – und wir wissen, in welchem unmißverständlichen Sinne wir es tun. Am Beispiel der Verwendung von „Namen“ bzw. sprachlicher Zeichen entdecken wir Formen der Erkenntnis, die über die aktuelle Wahrnehmung hinausgehen. Dabei ist die scheinbare Schwäche der Sprache ihre eigentliche Stärke. Die Differenz zwischen Zeichen, Vorstelllung und Sache muss im Erkennen eigens geschlossen werden – und das kann gelingen oder nicht. Wir können uns und andere täuschen und den Grund für allerlei Irrtümer legen. Der Liebste wollte seine Braut nicht zu einem romantischen Stelldichein auf „ihrer Bank“ im Park treffen, sondern in „Ihrer Bank“ am Park zur endgültigen Vermögenssichtung und gütlich-emotionslosen -regelung. Die sprachlichen Zeichen sind nicht einfach Namensschilder, die als „ideelle“ Etiketten an den Dingen kleben. Sie haben Bedeutung, die sich aus ihrer Verwendung ergibt. Sie sind, wie wir selbst, ihre Geschichte. Sie ist nicht (und niemals) abgeschlossen und weil sie das sind, was sie geworden sind, werden sie morgen etwas bezeichnen, wovon sie und wir heute noch nichts wissen. All das hat Thomas nicht im Sinn – vermutlich hätte ihn die Aufmerksamkeit auf die sprachliche Form unseres Erkennens ein wenig irritiert, ihn, der die platonischen Dialoge selbst nicht lesen konnte und der von Hegel und Hölderlin, Herder und Humboldt, geschweige denn von Wittgenstein, nun wirklich nichts wissen konnte. Er hätte vermutlich achselzuckend mit Aristoteles darauf beharrt, dass die Gedanken ein Abbild des Wirklichen sind (quod est in intellectu, est similitudo eius quod es in re). Und dennoch ist es die „analoge“ Kraft der Sprache, in der sich die Vernunft eigentlich zeigt, die wir für die Sacra Doctrina brauchen.

Exkurs i: Herr und Gott

Hat Er uns seinen Namen nicht eigentlich gesagt? „Ich bin der Herr, Dein Gott,…“ (Ex. 2, 2) Dem Volk Israel wurde daraus das Tetragramm. „Gott“ und „Herr“ wären dann zwei seiner „Namen“? „Herr“ ist es „nur“ in einer „übertragenen“ Bedeutung ein Name Gottes, die vor allem die Unterstützung des direkten Artikels „der“ braucht. Wir müssen die Übertragung jedenfalls ausdrücklich machen und von Mißverständnissen reinigen: nicht ein Herr unter vielen, ein bzw. der Herr von allen (anderen), Herr im Sinne von Herrschaft und Macht… Thomas stellt das in ST I, q 13, 7, ad 2 klar.

Und „Gott“? Das ist doch wohl fraglos „sein“ Name. Nur so konnten wir ja von ihm reden und z.B. die Frage nach seinen (weiteren) Namen stellen. Ist „Gott“ nun ein „(Eigen-)Name“ wie „Thomas“ oder „Tobi“ oder ein Name für eine „Modell-Reihe“ bzw. einen Begriff? Unsere Vorstellung, dass Gott einer und dieser ist, scheint für einen Eigennamen zu sprechen. Gott selbst aber scheint sich, wenn er zu uns spricht, als einen bestimmten zu sehen: „Ich bin der Herr, Dein Gott…“ – im Sinne von „Dein Bac, mein Bac“? Und: „Du sollst neben mir keine anderen Götter haben…“. Also gibt es doch mehrere subiecta, denen wir „Gott“ zusprechen können? Es heißt „Du sollst nicht…“, nicht aber: „Du kannst nicht…“! Dass Gebot scheint nur dann Sinn zu machen, wenn es für uns andere geben könnte. Thomas geht dieser Frage ausführlich (in drei Artikeln) nach. Er kommt zu dem Ergebnis, daß „der Name ‚Gott‘ ein Gattungsname (ist), kein Eigenname; denn er bezeichnet die göttliche Natur, sofern sie in einem Träger Bestand hat, wobei freilich Gott selbst in Wirklichkeit weder ein Allgemeines noch ein Besonderes ist. (hoc nomen Deus est nomen appellativum et non proprium, quia significat naturam divinam ut in habente; licet ipse Deus, secundum rem, non sit nec universalis nec particulars)“ (ST I, q 13, 9, ad 2)

Der „Name“ bezeichnet von uns (seinen Geschöpfen) her etwas, dass für uns auch mit anderem verbunden werden könnte. Die Definitionsmenge der Funktion G(x) (siehe die Überlegungen zu Quaestio 2 und Gödels Beweis) könnte mehrer Elemente enthalten. Dass Gott ein „Singleton“ ist, könnte uns – wie vielen vor uns – entgangen sein. Wir könnten Götzen Götter nennen, obgleich sie es nicht sind. Und genau darauf zielt das erste Gebot. „Die Namen richten sich eben nicht nach der Seinsweise in der Wirklichkeit der Dinge, sondern nach der Seinsweise, wie wir sie erkennen. (nomina enim non sequuntur modum essendi secundum quod id est in rebus, sed modum essendi secundum quod es in cognitione nostra)“ (ST I, q 13, 9 ad 2) – Bitte, bitte CDH, „übernehmen Sie“, da müssen wir mal was zu schreiben!?

Exkurs ii: Na, typisch.

Und natürlich sind einige Name sprechend. Sie sagen uns einiges, wenn nicht über den Benannten, so doch über die Namensgeber. Kevins oder Chantalles unterscheiden sich „substantiell“ von Florians und Sarahs, Detlevs und Hedwigs; sie haben andere Eltern, ganz andere! Und so „wissen“ wir schon einiges über den kleinen Mustafa, den zarten Gottlieb und den blassen Giancarlo (Ebersfelder) – zumindest über ihre „Hintergründe“ und „Aussichten“. Wir schließen vom Namensgeber auf den Benannten: die werden sich schon etwas dabei gedacht haben. Angela steht bekanntlich für Engel und jeder Sigmar ist ein berühmter Sieger – wenn auch manchmal nur der zweite.

Exkurs iii: Eine ehrliche Frage verdient eine ehrliche Antwort

Und dann gibt es da noch eine direkte Antwort auf eine direkte Frage (Ex. 3): Moses stieß beim Weiden der Schafe seines Schwiegervaters auf den brennenden Dornbusch, der obwohl hell in Flammen stehend nicht verbrannte. Daraus sprach der Herr Moses namentlich (!) an und gab ihm – mir nichts dir nichts – den Auftrag, nicht nur sein Leben zu ändern, sondern auch das seines Volkes: er solle das Volk Israel aus Ägypten führen. Auf seine wohl nicht nur selbstkritischen Bedenken, wie er dies denn zu leisten vermöge, versicherte ihm Gott seinen Beistand: „Ich werde mit dir sein. Und dies soll der Beweis sein, dass ich dich gesandt habe: Wenn du die Israeliten aus Ägypten geführt hast, werdet ihr mir an diesem Berg dienen.“ – Hmm, man kann verstehen, dass Moses noch ein wenig zögerlich bleibt. Der versprochene Beweis wird nach (!) dem Erfolg gegeben? „Wenn Du mir glaubst, dann geb‘ ich Dir Gründe, sobald Du dran glaubst – und es gut ausgegangen ist“?! Also fragt Moses lieber nochmal nach: „Wenn ich zu den Israeliten gehe und ihnen sage: ‚Der Gott eurer Vorfahren hat mich zu euch gesandt‘, und sie mich dann fragen: ‚Wie heißt er denn?‘, was soll ich ihnen dann antworten? Gott entgegnete: ‚Ich bin, der ich immer bin. Sag ihnen einfach: ‚Ich bin‘ hat mich zu euch gesandt.'“

Wahrlich ein merkwürdiger Dialog. Ein Namen soll Sicherheit bringen? Die Zweifel der Israeliten – und wohl auch Moses – sollen durch einen Namen beseitigt werden? „Von welchem Gott hast du den Auftrag?“ – „Von Eurem, ähm unserem.“ – „Hmm, so, so – und wie heißt der?“ Man ist geneigt zu antworten: „Müßt ihr doch wissen!“

Und dann diese Antwort! „Ich bin, der ich bin“ oder besser, weil noch einfacher, noch knackiger, noch überzeugender (!?): „Ich bin“. – OK, jetzt können wir sagen: „Was’n das für’n Name?“ Und tatsächlich haben das Generationen von Theologen getan. Thomas dagegen, der die Stelle in ST I, q 13, 11 contra natürlich auch heranzieht, sieht das anders. Er sagt: genau die richtige Antwort. Wer ein bißchen nachdenkt, kommt selber drauf. Wir haben 13 Quaestionen dafür gebraucht, wissen es jetzt aber auch: „Der Name ‚Der Seiende‘ ist… der eigentliche Eigenname Gottes. (hoc nomen qui est,… maxime proprium nomen Dei)

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© 2015 Heinrich Leitner

Reditio ad initium