ST I, Quaestio 6 (HL)

(Über das Gutsein Gottes) – »Drei Exkurse bevor das Fernsehen langweilt« – Die Güter sind für das Gelingen unseres Lebens in einer gewissen Ordnung. Sie sind gerichtet. Sie dienen ihm und sind Teil des gelungenen Lebens. Werden wir gefragt, warum wir dies und das tun, dann lautet die letzte Antwort, die wir geben können, weil wir es als Teil des gelungenen Lebens betrachten. Thomas geht davon aus, dass die Vollkommenheit des Seienden in der Vollkommenheit Gottes vereinigt ist und dass die Ordnung der Güter auf ein letztes, höchstes Gut jenseits der menschlichen Handlungswelt dem „Wesen des Guten entspricht“. …

ST I, Quaestio 5 (HL)

(Über das Gute im Allgemeinen) – »Das Gute ist wirklich gut« – Das Schlechte ist Privation, nicht realisierte Natur. Das Gute verwirklichte Natur. Wir erstreben etwas, das erstrebenswert ist. Wir erkennen die Natur des erstrebten Seienden und haben darin das Maß des Guten. Gegen den modernen Solipsismus des Willens und seinem verzweifelten Versuch, die Außenwand der Hirnschale zu durchbrechen, ohne das Gehirn zu verlassen, heißt es: Agere sequitur esse – auch wenn sich Kant im Grab herumdreht! …

ST I, Quaestio 4 (HL)

(Über die Vollkommenheit Gottes) – »So perfekt. Also natürlich vollkommen perfekt!« – Die Natur der Dinge gibt ihre Vollkommenheit vor. Wenn wir also Gott „vollkommen“ nennen, dann kommt es auf seine Natur an! Vollkommen ist er nur im Hinblick auf das, was ihn ausmacht. Drehen wir uns da nicht ein bißchen im Kreis? Wir wollten etwas über seine „Natur“, sein Wesen, erfahren, sprechen ihm Vollkommenheit zu und müssen dafür von seiner Natur wissen. …

ST I, Quaestio 3 (HL)

(Über die Einfachheit Gottes) – »Bottom up – mit der geliebten Magd« – Bestimmen, was das Wesen von etwas ist, setzt einen Unterschied voraus, der dann geschlossen wird. Das Wesen ist etwas Zusammengesetztes. Alles Zusammengesetzte ist aber „später“ als seine Teile und abhängig von ihnen. Gott können wir nicht als etwas Zusammmengesetztes denken. Wir müssten es als das radikal Einfache denken, wenn wir das denn könnten. Denken können wir aber nur im Zusammensetzen und Bestimmen. Das Denken reicht für die Erkenntnis des Wesens Gottes nicht aus. Wir haben „etwas“, das wir ergründen und dessen „Besonderheit“ wir umkreisend verstehen wollen. …

ST I, Quaestio 2 (HL)

(Über Gott: Ob Gott sei) – »Me ne frego!« – Genau hier liegt der eigentliche Anstoß des Befremdens, das heute mit dem Gottesbeweis einher geht. Es ist der allgegenwärtige Menefreghismo gegen alle Ansprüche der Vernunft. Der Gottesbeweis ist nur ein besonders leichter, weil erhabener Angriffspunkt. Gott kann man nicht beweisen, sagen die einen und fühlen sich vom Druck des Ewigen befreit; Gott kann (und braucht man) nicht beweisen, sagen die anderen und fühlen sich in besonderer Weise zum Ewigen berufen. Beide feiern selbstgefällig ihr Unvermögen. Die Gottesfrage ist ein Anhaltspunkt, ob wir uns diesem Unvermögen überlassen wollen. …

ST I, Quaestio 1 (HL)

(Über die Heilige Lehre, wie sie beschaffen ist und worauf sie sich erstreckt) – »Wider die faule Vernunft« – Die Autorität, die den natürlichen Wissenschaften vermeintlich wenig gilt, ist für die Sacra Doctrina essentiell. Und zwar in einem doppelten Sinn: Sie gründet sich auf die göttliche Herkunft ihrer Voraussetzungen, auf göttliche Autorität und ist damit das stärkste Argument, das vorgebracht werden kann. Es gründet sich aber auch auf die Autoriäten der Glaubensgemeinschaft, die die Erfahrung des Glaubens stimmig zum Ausdruck gebracht und zu einem Leben geformt haben, das Natur und Gnade, Offenbarung und Vernunft harmonisch zusammenführt.. Ohne solche Autoritäten wären wir gar nicht in der Lage von dem zu sprechen, was wir meinen, und könnten gar nicht meinen, wovon wir sprechen. …